Auftakt
Dolly sucht eine Freundin
Band 1 von Enid Blytons berühmter Serie um die Internatsschülerin Dolly Rieder.
So heißt der Titel im Original: "First Term at Malory Towers"
Da war der Schneider Verlag etwas kreativer: "Dolly sucht eine Freundin" paßt genau zum Inhalt des Buches.
Die Bände 7-18 stammen von der deutschen Autorin Tina Caspari und sind in England unbekannt. Auch dort werden aber mittlerweile (leider!) Fortsetzungen geschrieben.
Und so heißen die Figuren im Original:
Dolly Rieder - Darrell Rivers (ich habe nie begriffen, warum die Namen eingedeutscht wurden, die Hauptfigur aber wiederum einen englischen Namen bekommen hat - der Name "Dolly" ist im deutschen Sprachraum doch völlig unüblich)
Burg Möwenfels - Malory Towers
Frau Greiling - Miss (!) Grayling (warum hat man aus ihr eine "Frau" gemacht, während alle anderen Lehrerinnen "Fräulein" genannt werden? War "Fräulein Greiling" zu lang? Oder klang "Frau" etwas würdiger, immerhin ist es ja die Schulleiterin?)
Fräulein Pott - Miss Potts
Susanne Hoppe - Sally Hope
Alice Jahn - Alicia Johns
Jenny Mayer - Jean McDonald
Evelyn Lessing - Gwendoline Mary Lacy (der Name "Evelyn" stammt trotzdem aus dem Original - als Darrell darüber sinniert, wer wohl Mary-Lou häßliche Streiche spielt, verdächtigt sie "Evelyn from West Tower" - die wiederum heißt in der Übersetzung Gerda!)
Marlies - Mary-Lou
Dolly-Darrell ist zu Beginn der Handlung 12 und kommt ins Internat Möwenfels-Malory Towers (in die 1. Klasse, die natürlich kein 1. Schuljahr ist - wahrscheinlich wurde (wird?) in Großbritannien ab der weiterführenden Schule neu gezählt). Im Gegensatz zu vielen anderen Heldinnen dieser Art wird sie nicht gegen ihren Willen hingeschleift, sondern freut sich darauf. Trotzdem geht nicht alles glatt. Darrell stellt sich alles zu einfach vor, glaubt, sie müsse nichts für die Schule tun, vergöttert die freche Alicia und will unbedingt mit ihr befreundet sein, verachtet Mary-Lou wegen deren Ängstlichkeit und hat immer wieder Wutanfälle.
So hat Darrell in ihrem ersten "term" (Trimester) viel zu lernen. Bei der ersten Rangordnung in der Klasse landet sie weit hinten, sie verliert die Beherrschung und bekommt Ärger, weil sie Gwendoline geschlagen hat, und als sie auf Sally losgeht, landet diese auf der Krankenstation, und Darrell fürchtet, sie verletzt zu haben - da erfährt sie, wie es ist, Angst zu haben, und plötzlich kann sie Mary-Lou verstehen. Als sie zu Unrecht verdächtigt wird, Mary-Lous Füller zertreten zu haben, muß sie zu ihrem Schrecken feststellen, daß ihre angebliche Freundin Alicia ihr nicht glaubt. Mary-Lou und Sally halten hingegen zu ihr, und Darrell begreift, daß die beiden ihre wirklichen Freundinnen sind.
Man merkt dieser Serie deutlich an, daß sie NACH der St. Clare's-Reihe geschrieben wurde. Die Autorin hat dazugelernt und eine Heldin geschaffen, die nicht perfekt ist. Während Pat und Isobel O'Sullivan (Hanni und Nanni) nach einer kurzen Rebellion zu Nebenfiguren ohne Eigenschaften verblassen, hat Dolly / Darrell einen Fehler, nämlich ihr hitziges Temperament. So bleibt sie bis zuletzt interessant. Außedem hat diese Reihe einen festen Bösewicht, nämlich Evelyn / Gwendoline, die bis zum Schluß bleibt - in St. Clare's werden die Sündenböcke immer am Ende der Geschichte entsorgt, und so muß in jedem Band ein neuer her. Das hat Blyton in dieser Serie sehr viel besser gelöst.
Ein paar Knackpunkte hat die Geschichte aber doch. Ich hatte schon als Kind eine Haßliebe zu Blytons Werken, die bis heute geblieben ist. Da ist zum einen der Umgang mit Außenseitern, in diesem Fall Gwendoline. Sie wird schon auf der Hinfahrt als verwöhnt und hochnäsig abgestempelt, weil sie beim Abschied von ihrer Mutter weint. Miss Potts und die in der Klasse tonangebende Alicia sind mit ihrem Urteil über sie fertig, bevor sie das Schulgebäude betreten hat, und so hat sie natürlich keine Chance. Gwendoline gilt als eingebildet, faul und biestig, und in der Tat leistet sie sich zumindest in Band 1 ein paar echte Gemeinheiten. In den nächsten Bänden ist sie nicht mehr so schlimm, aber nach wie vor unbeliebt. Auch die anderen Mädchen haben schlechte Eigenschaften, der Unterschied ist nur, daß die Autorin nicht darauf herumreitet. Für alle anderen werden Entschuldigungen gefunden, nur Gwendoline ist das personifizierte Böse. Die Botschaft von Büchern dieser Art, daß Unbeliebte selbst schuld seien und nicht etwa das intolerante Umfeld, halte ich für bedenklich. Gwendolines ach so schreckliche Mutter, die in einigen Bänden auftritt, fand ich auch nie schlimm - sie ist "over-dressed", aber sonst? Ohnehin habe ich immer mit Gwendoline sympathisiert, weil ich soviel mit ihr gemeinsam hatte - Einzelkind, lange blonde Haare, blaue Augen - und unsportlich! Ja, daß der Sport so eine große Rolle spielt, hat mich schon als Kind gestört. Auch wie Sally von ihren Eltern behandelt wird - sie schicken sie ins Internat, als sie eine Schwester bekommt, bringen sie nicht einmal zum Bahnhof und lassen sich auch am Besuchstag nicht sehen - ich kann es Sally nicht übelnehmen, daß sie sich zurückgewiesen fühlt. Doch das Problem wird gelöst - und Sally zu einer der sympathischsten Figuren der Serie.
Band 1 von Enid Blytons berühmter Serie um die Internatsschülerin Dolly Rieder.
So heißt der Titel im Original: "First Term at Malory Towers"
Da war der Schneider Verlag etwas kreativer: "Dolly sucht eine Freundin" paßt genau zum Inhalt des Buches.
Die Bände 7-18 stammen von der deutschen Autorin Tina Caspari und sind in England unbekannt. Auch dort werden aber mittlerweile (leider!) Fortsetzungen geschrieben.
Und so heißen die Figuren im Original:
Dolly Rieder - Darrell Rivers (ich habe nie begriffen, warum die Namen eingedeutscht wurden, die Hauptfigur aber wiederum einen englischen Namen bekommen hat - der Name "Dolly" ist im deutschen Sprachraum doch völlig unüblich)
Burg Möwenfels - Malory Towers
Frau Greiling - Miss (!) Grayling (warum hat man aus ihr eine "Frau" gemacht, während alle anderen Lehrerinnen "Fräulein" genannt werden? War "Fräulein Greiling" zu lang? Oder klang "Frau" etwas würdiger, immerhin ist es ja die Schulleiterin?)
Fräulein Pott - Miss Potts
Susanne Hoppe - Sally Hope
Alice Jahn - Alicia Johns
Jenny Mayer - Jean McDonald
Evelyn Lessing - Gwendoline Mary Lacy (der Name "Evelyn" stammt trotzdem aus dem Original - als Darrell darüber sinniert, wer wohl Mary-Lou häßliche Streiche spielt, verdächtigt sie "Evelyn from West Tower" - die wiederum heißt in der Übersetzung Gerda!)
Marlies - Mary-Lou
Dolly-Darrell ist zu Beginn der Handlung 12 und kommt ins Internat Möwenfels-Malory Towers (in die 1. Klasse, die natürlich kein 1. Schuljahr ist - wahrscheinlich wurde (wird?) in Großbritannien ab der weiterführenden Schule neu gezählt). Im Gegensatz zu vielen anderen Heldinnen dieser Art wird sie nicht gegen ihren Willen hingeschleift, sondern freut sich darauf. Trotzdem geht nicht alles glatt. Darrell stellt sich alles zu einfach vor, glaubt, sie müsse nichts für die Schule tun, vergöttert die freche Alicia und will unbedingt mit ihr befreundet sein, verachtet Mary-Lou wegen deren Ängstlichkeit und hat immer wieder Wutanfälle.
So hat Darrell in ihrem ersten "term" (Trimester) viel zu lernen. Bei der ersten Rangordnung in der Klasse landet sie weit hinten, sie verliert die Beherrschung und bekommt Ärger, weil sie Gwendoline geschlagen hat, und als sie auf Sally losgeht, landet diese auf der Krankenstation, und Darrell fürchtet, sie verletzt zu haben - da erfährt sie, wie es ist, Angst zu haben, und plötzlich kann sie Mary-Lou verstehen. Als sie zu Unrecht verdächtigt wird, Mary-Lous Füller zertreten zu haben, muß sie zu ihrem Schrecken feststellen, daß ihre angebliche Freundin Alicia ihr nicht glaubt. Mary-Lou und Sally halten hingegen zu ihr, und Darrell begreift, daß die beiden ihre wirklichen Freundinnen sind.
Man merkt dieser Serie deutlich an, daß sie NACH der St. Clare's-Reihe geschrieben wurde. Die Autorin hat dazugelernt und eine Heldin geschaffen, die nicht perfekt ist. Während Pat und Isobel O'Sullivan (Hanni und Nanni) nach einer kurzen Rebellion zu Nebenfiguren ohne Eigenschaften verblassen, hat Dolly / Darrell einen Fehler, nämlich ihr hitziges Temperament. So bleibt sie bis zuletzt interessant. Außedem hat diese Reihe einen festen Bösewicht, nämlich Evelyn / Gwendoline, die bis zum Schluß bleibt - in St. Clare's werden die Sündenböcke immer am Ende der Geschichte entsorgt, und so muß in jedem Band ein neuer her. Das hat Blyton in dieser Serie sehr viel besser gelöst.
Ein paar Knackpunkte hat die Geschichte aber doch. Ich hatte schon als Kind eine Haßliebe zu Blytons Werken, die bis heute geblieben ist. Da ist zum einen der Umgang mit Außenseitern, in diesem Fall Gwendoline. Sie wird schon auf der Hinfahrt als verwöhnt und hochnäsig abgestempelt, weil sie beim Abschied von ihrer Mutter weint. Miss Potts und die in der Klasse tonangebende Alicia sind mit ihrem Urteil über sie fertig, bevor sie das Schulgebäude betreten hat, und so hat sie natürlich keine Chance. Gwendoline gilt als eingebildet, faul und biestig, und in der Tat leistet sie sich zumindest in Band 1 ein paar echte Gemeinheiten. In den nächsten Bänden ist sie nicht mehr so schlimm, aber nach wie vor unbeliebt. Auch die anderen Mädchen haben schlechte Eigenschaften, der Unterschied ist nur, daß die Autorin nicht darauf herumreitet. Für alle anderen werden Entschuldigungen gefunden, nur Gwendoline ist das personifizierte Böse. Die Botschaft von Büchern dieser Art, daß Unbeliebte selbst schuld seien und nicht etwa das intolerante Umfeld, halte ich für bedenklich. Gwendolines ach so schreckliche Mutter, die in einigen Bänden auftritt, fand ich auch nie schlimm - sie ist "over-dressed", aber sonst? Ohnehin habe ich immer mit Gwendoline sympathisiert, weil ich soviel mit ihr gemeinsam hatte - Einzelkind, lange blonde Haare, blaue Augen - und unsportlich! Ja, daß der Sport so eine große Rolle spielt, hat mich schon als Kind gestört. Auch wie Sally von ihren Eltern behandelt wird - sie schicken sie ins Internat, als sie eine Schwester bekommt, bringen sie nicht einmal zum Bahnhof und lassen sich auch am Besuchstag nicht sehen - ich kann es Sally nicht übelnehmen, daß sie sich zurückgewiesen fühlt. Doch das Problem wird gelöst - und Sally zu einer der sympathischsten Figuren der Serie.
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