Gute und schlechte Wertvorstellungen
Enid Blyton: Ein Pferd im Internat
Band 3 von Enid Blytons berühmter Reihe um das Mädchen "Dolly" bzw. "Darrell", und das erste Buch der Serie, das ich gelesen habe. Ich habe es zu meinem 9. oder 10. Geburtstag bekommen und war sofort infiziert, obwohl mich schon als Kind einiges an den Werken der Autorin störte. Es war und ist eine Haßliebe, ich fand und finde vieles gut, vieles aber auch höchst fragwürdig.
Worum geht es? Dolly-Darrell kehrt wie zu Beginn aller Bände ins Internat zurück. Sie ist in der 3. Klasse, Klassenlehrerin ist das energische Fräulein Peters (Miss Peters).
Wieder mal sind 3 Neue in der Klasse:
Margot (Mavis)
Wilhelmina Rodenstock (Robinson), genannt Will (Bill)
Marilyn Miller (Zerelda Brass)
Mavis ist der einzige Charakter der Serie, der "off-stage" erscheint. Sie ist im letzten "term" dazugekommen und hat sich schnell unbeliebt gemacht, weil sie sich sehr viel auf ihre schöne Stimme einbildet und hofft, Karriere als Opernsängerin zu machen. Ihr Traum findet ein jähes Ende, als sie - durch eigenes Verschulden - ihre Stimme verliert.
Auch Zerelda, eine Amerikanerin, findet keine Gnade vor den Augen ihrer Mitschülerinnen. Sie träumt davon, Schauspielerin zu werden und ist genauso eingebildet wie Mavis, mit dem Unterschied, daß sie im Gegensatz zu der jungen Sängerin KEIN Talent hat. Sie ist zunächst in der 4. Klasse, wird jedoch heruntergestuft, weil sie dem Lehrstoff nicht gewachsen ist. Hier kommt ein Trick ins Spiel, die sogenannten "order-marks", Minuspunkte für schlechte Leistungen und Fehlverhalten, die nie vorher und nie nachher erwähnt werden. "Order-marks" zählen gegen die ganze Klasse, die Autorin baut sie ein, weil sie eine Erklärung dafür braucht, daß Zereldas Mitschülerinnen sich über deren schlechte Leistungen ärgern - sonst könnte es ihnen ja egal sein. Eine Demütigung, die Herunterstufung, reicht Blyton in diesem Fall aber nicht - die arme Zerelda wird auch noch von der Leiterin des Theaterkurses, Miss Hibbert (in der deutschen Version heißt sie Nora Nordberg), furchtbar zusammengestaucht und bekommt zu hören, daß sie keinen Funken Talent hat.
Die beiden eingebildeten Gänse werden also gehörig zurechtgestutzt und müssen lernen, einfach nur normale Schulmädchen zu sein und sich möglichst wenig von den anderen zu unterscheiden. Das ist mir schon als Kind sauer aufgestoßen. Mavis bekommt, nachdem sie ihre Lektion gelernt hat, ihre Stimme zurück.
Die dritte Neue ist also Bill, ein Mädchen, das mit 7 Brüdern aufgewachsen und selbst ein halber Junge ist. Sie kommt mit und auf ihrem Pferd Donner (Thunder), das eine so große Rolle spielt, das man es fast als neuen Schüler bezeichnen könnte. Bill liebt ihr Pferd so sehr, daß sie die Schule vernachlässigt und Ärger mit Miss Peters (selbst eine große Pferdenärrin) bekommt. Das Blatt wendet sich, als Thunder schwer erkrankt und Miss Peters ihn rettet, nachdem Darrell sie zu Hilfe gerufen hat. Der Einsatz von Bill, Darrell und Miss Peters für den armen Thunder ist wirklich eine schöne Geschichte - Zusammenhalt, Kameradschaft, Hilfe, wenn jemand - egal, ob Mensch oder Tier - in Not ist. Das sind Werte, die auch heutigen Kindern nicht schaden können, im Gegenteil. Auch daß Petzen streng verpönt ist, gefällt mir.
Positiv überrascht hat mich in diesem Band Evelyn (Gwendoline). Sie ist wesentlich netter als sonst (ich finde sie aber generell nicht so schlimm). Sie ist die einzige, die Zerelda tröstet, nachdem diese bei der Theaterprobe so kläglich gescheitert ist. Sie sagt ihr auch, daß sie vielleicht eine gute Komödiantin abgeben würde (genau das denkt auch Alice (Alicia), jedenfalls im Original - aber sie sagt es Zerelda nicht).
Mit anderen Dingen tue ich mich hingegen schwer. Die Überbetonung des Sports hat mich als unsportliches Kind genervt, aber nun gut, Darrell ist eben eine Sportskanone. In diesem Band hat sie großen Erfolg beim Lacrosse (was in der deutschen Version zu Handball geändert wurde) und trainiert wie besessen. Natürlich kommt sie in die Mannschaft und schießt auch noch das Siegtor. Unschön fand ich auch die Rolle von Darrells angeblich bester Freundin Susanne (Sally). Sie trainiert mit Darrell für Lacrosse, obwohl sie eigentlich keine Lust hat, und erklärt sich allen Ernstes bereit, eine Strafe abzubüßen, die Darrell bekommen hat, damit diese an einem Spiel teilnehmen kann - das ist schon beinahe kriecherisch. Eben die typische beste Freundin aus einer Mädchenbuchserie, die nur ein Anhängsel der Hauptfigur ist. Und warum heißen diese besten Freundinnen in Deutschland eigentlich immer Susanne ...?
Band 3 von Enid Blytons berühmter Reihe um das Mädchen "Dolly" bzw. "Darrell", und das erste Buch der Serie, das ich gelesen habe. Ich habe es zu meinem 9. oder 10. Geburtstag bekommen und war sofort infiziert, obwohl mich schon als Kind einiges an den Werken der Autorin störte. Es war und ist eine Haßliebe, ich fand und finde vieles gut, vieles aber auch höchst fragwürdig.
Worum geht es? Dolly-Darrell kehrt wie zu Beginn aller Bände ins Internat zurück. Sie ist in der 3. Klasse, Klassenlehrerin ist das energische Fräulein Peters (Miss Peters).
Wieder mal sind 3 Neue in der Klasse:
Margot (Mavis)
Wilhelmina Rodenstock (Robinson), genannt Will (Bill)
Marilyn Miller (Zerelda Brass)
Mavis ist der einzige Charakter der Serie, der "off-stage" erscheint. Sie ist im letzten "term" dazugekommen und hat sich schnell unbeliebt gemacht, weil sie sich sehr viel auf ihre schöne Stimme einbildet und hofft, Karriere als Opernsängerin zu machen. Ihr Traum findet ein jähes Ende, als sie - durch eigenes Verschulden - ihre Stimme verliert.
Auch Zerelda, eine Amerikanerin, findet keine Gnade vor den Augen ihrer Mitschülerinnen. Sie träumt davon, Schauspielerin zu werden und ist genauso eingebildet wie Mavis, mit dem Unterschied, daß sie im Gegensatz zu der jungen Sängerin KEIN Talent hat. Sie ist zunächst in der 4. Klasse, wird jedoch heruntergestuft, weil sie dem Lehrstoff nicht gewachsen ist. Hier kommt ein Trick ins Spiel, die sogenannten "order-marks", Minuspunkte für schlechte Leistungen und Fehlverhalten, die nie vorher und nie nachher erwähnt werden. "Order-marks" zählen gegen die ganze Klasse, die Autorin baut sie ein, weil sie eine Erklärung dafür braucht, daß Zereldas Mitschülerinnen sich über deren schlechte Leistungen ärgern - sonst könnte es ihnen ja egal sein. Eine Demütigung, die Herunterstufung, reicht Blyton in diesem Fall aber nicht - die arme Zerelda wird auch noch von der Leiterin des Theaterkurses, Miss Hibbert (in der deutschen Version heißt sie Nora Nordberg), furchtbar zusammengestaucht und bekommt zu hören, daß sie keinen Funken Talent hat.
Die beiden eingebildeten Gänse werden also gehörig zurechtgestutzt und müssen lernen, einfach nur normale Schulmädchen zu sein und sich möglichst wenig von den anderen zu unterscheiden. Das ist mir schon als Kind sauer aufgestoßen. Mavis bekommt, nachdem sie ihre Lektion gelernt hat, ihre Stimme zurück.
Die dritte Neue ist also Bill, ein Mädchen, das mit 7 Brüdern aufgewachsen und selbst ein halber Junge ist. Sie kommt mit und auf ihrem Pferd Donner (Thunder), das eine so große Rolle spielt, das man es fast als neuen Schüler bezeichnen könnte. Bill liebt ihr Pferd so sehr, daß sie die Schule vernachlässigt und Ärger mit Miss Peters (selbst eine große Pferdenärrin) bekommt. Das Blatt wendet sich, als Thunder schwer erkrankt und Miss Peters ihn rettet, nachdem Darrell sie zu Hilfe gerufen hat. Der Einsatz von Bill, Darrell und Miss Peters für den armen Thunder ist wirklich eine schöne Geschichte - Zusammenhalt, Kameradschaft, Hilfe, wenn jemand - egal, ob Mensch oder Tier - in Not ist. Das sind Werte, die auch heutigen Kindern nicht schaden können, im Gegenteil. Auch daß Petzen streng verpönt ist, gefällt mir.
Positiv überrascht hat mich in diesem Band Evelyn (Gwendoline). Sie ist wesentlich netter als sonst (ich finde sie aber generell nicht so schlimm). Sie ist die einzige, die Zerelda tröstet, nachdem diese bei der Theaterprobe so kläglich gescheitert ist. Sie sagt ihr auch, daß sie vielleicht eine gute Komödiantin abgeben würde (genau das denkt auch Alice (Alicia), jedenfalls im Original - aber sie sagt es Zerelda nicht).
Mit anderen Dingen tue ich mich hingegen schwer. Die Überbetonung des Sports hat mich als unsportliches Kind genervt, aber nun gut, Darrell ist eben eine Sportskanone. In diesem Band hat sie großen Erfolg beim Lacrosse (was in der deutschen Version zu Handball geändert wurde) und trainiert wie besessen. Natürlich kommt sie in die Mannschaft und schießt auch noch das Siegtor. Unschön fand ich auch die Rolle von Darrells angeblich bester Freundin Susanne (Sally). Sie trainiert mit Darrell für Lacrosse, obwohl sie eigentlich keine Lust hat, und erklärt sich allen Ernstes bereit, eine Strafe abzubüßen, die Darrell bekommen hat, damit diese an einem Spiel teilnehmen kann - das ist schon beinahe kriecherisch. Eben die typische beste Freundin aus einer Mädchenbuchserie, die nur ein Anhängsel der Hauptfigur ist. Und warum heißen diese besten Freundinnen in Deutschland eigentlich immer Susanne ...?
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