Head-girl
Enid Blyton: Dolly, die Klassensprecherin
Band 4 der Dolly-Reihe. Diesmal kehrt Darrell nicht allein nach Malory Towers zurück - ihre kleine Schwester Felicitas (Felicity) ist mit von der Partie und kommt in die 1. Klasse. Für Darrell steht das letzte Trimester in der 4. Klasse an, und es ist ein wichtiges "term", weil "die Prüfungen" anstehen, wie es in der deutschen Original heißt. Gemeint ist das sogenannte "School Certificate", eine Prüfung, die in Großbritannien von 1918 bis 1951 abgelegt wurde. Korrigiert werden die Arbeiten offenbar nicht von den Lehrkräften des Internats, sondern gehen an eine externe Stelle - jedenfalls sagt die Klassenlehrerin, sie habe sich die Arbeiten angesehen, "before sending them up".
Für Darrell beginnt das Trimester (nicht etwa das Schuljahr! Nur in den deutschen Versionen fängt in jedem Band ein neues Schuljahr an!) mit einer freudigen Überraschung - sie wird zum "head-girl" ernannt und platzt fast vor Stolz. Ihre Mitschülerinnen freuen sich für sie, liegen ihr aber keineswegs zu Füßen. Darrells hitziges Temperament ist bekannt, und ihre Klassenkameradinnen ärgern sie nach Kräften, in der Hoffnung, sie explodieren zu sehen.
Was passiert noch?
Wie in allen Bänden der Serie (außer in Band 6) kommen 3 Neue in die Klasse:
The Honourable Clarissa Carter (Clarissa Edle von und zu Hartenstein)
Connie und Ruth Batten (Connie und Ruth Baumann)
Gwendoline hofft wieder einmal, eine großartige Freundin zu finden. Diesmal hat sie es auf die adlige Clarissa abgesehen, ein sehr schüchternes, unscheinbares Mädchen mit Herzfehler. Gwendoline belegt sie sofort mit Beschlag, sehr zum Ärger der anderen. Auch die beiden anderen Neuen, Connie und Ruth, sind seltsam. Sie sind Zwillinge, jedoch nicht identisch, und die energische Connie behandelt Ruth wie ein Baby und beherrscht sie vollkommen. Darrell hat noch mehr Sorgen - ihre kleine Schwester Felicity befreundet sich mit Alicias frecher Cousine June (in Deutschland heißt sie Irmgard - die unpassendste Namensänderung von allen, wie ich finde). Darrell kann June nicht ausstehen, auch Alicia hat sie nicht besonders ins Herz geschlossen. Haarsträubend fand ich allerdings die Regelung, daß June von ihrer Klasse bestraft wird, weil ihre ältere Cousine sich über sie ärgert. Was für Zustände ... June ist ein Biest, jedenfalls in diesem Band und noch mehr im nächsten. Sie bessert sich erst in Band 6 - sehr ungewöhnlich. Normalerweise werden Bösewichter in der Serie entweder in dem Band kuriert, in dem sie zum erstenmal auftreten - oder eben nie. June sorgt dann auch dafür, daß Darrell tatsächlich die Beherrschung verliert und - Schande! - als Klassensprecherin zurücktreten muß. Sally übernimmt die Aufgabe - ihr letzter positiver Auftritt in der Reihe.
Die Geschichte mit Gwendolines schwachem Herzen ist einfach nur albern. Gwendoline weiß, daß sie die Prüfung nicht bestehen wird, und will sich davor drücken. Also behauptet sie beim Elternbesuchstag, sie habe ein schwaches Herz. Ihre Mutter nimmt sie sofort mit nach Hause, auch ihr Vater glaubt die Geschichte. Mag sein, daß Gwendolines Mutter naiv ist und ihrer Tochter jedes Wort glaubt (aber warum glaubt sie Gwendolines Märchen von ihren großartigen sportlichen Leistungen? Sie kennt doch die Zeugnisse ihrer Tochter und müßte wissen, daß das Mädchen eine sportliche Niete ist!). Aber müßte sie nicht erst einmal mit der Hausmutter sprechen? Mit der Sportlehrerin? Das Mädchen erst einmal auf die Krankenstation bringen? Warum wird die Schulleiterin nicht informiert? Abgesehen davon ist das Theater, das Gwendoline wochenlang aufführt, mindestens ebenso anstrengend, wie für die Prüfung zu büffeln. Heute würde man sich die Frage stellen, warum ein Mädchen solchen Aufwand betreibt, um die ach so großartige Schule verlassen zu dürfen - und Gwendolines Aktion als Hilferuf einstufen. Natürlich fliegt der Schwindel auf, und Gwendoline muß die Prüfung mitmachen, ohne dafür gelernt zu haben. In der deutschen Übersetzung hört es sich an, als könne sie mit viel Glück bestehen: "Evelyn mußte viel Glück haben, wenn sie durchkommen wollte." Im Original steht: "Gwendoline would be lucky if she got quarter-marks" - das soll wohl heißen: ein Viertel der zu erreichenden Punkte, also kläglich gescheitert.
Aber warum schreibt auch die eigentlich gute Schülerin Ruth plötzlich schlechte Arbeiten? Und auch Alicia, die bisher immer zu den Besten gehörte? Bei Ruth ist es ein schlimmer Fall von Hörigkeit - auf Druck von Connie, die weiß, daß sie nicht bestehen wird, schreibt sie absichtlich schlechte Arbeiten, um durchzufallen und ebenso wie ihre Schwester nicht in die nächste Klasse aufzusteigen. Eine ganz üble Geschichte, die dadurch gelöst wird, daß Ruths Leistungen enttäuschend, aber doch noch ausreichend sind und sie doch versetzt wird. Bei Alicia ist es die in Blytons Werken übliche Lektion für Mädchen, die die Nase zu hoch tragen. Die schlaue Alicia, die immer auf weniger pfiffige Schülerinnen herabgesehen hat, wird krank und ist dadurch eingeschränkt. Sie erfährt am eigenen Leib, wie es Leuten geht, denen das Lernen schwerfällt. Nach der harten Erfahrung wird sie wieder gesund. Auch Mavis, die im vorigen Band ihre herrliche Stimme verloren hat, ist von ihrem Hochmut kuriert und bekommt ihre Stimme zurück.
Band 4 der Dolly-Reihe. Diesmal kehrt Darrell nicht allein nach Malory Towers zurück - ihre kleine Schwester Felicitas (Felicity) ist mit von der Partie und kommt in die 1. Klasse. Für Darrell steht das letzte Trimester in der 4. Klasse an, und es ist ein wichtiges "term", weil "die Prüfungen" anstehen, wie es in der deutschen Original heißt. Gemeint ist das sogenannte "School Certificate", eine Prüfung, die in Großbritannien von 1918 bis 1951 abgelegt wurde. Korrigiert werden die Arbeiten offenbar nicht von den Lehrkräften des Internats, sondern gehen an eine externe Stelle - jedenfalls sagt die Klassenlehrerin, sie habe sich die Arbeiten angesehen, "before sending them up".
Für Darrell beginnt das Trimester (nicht etwa das Schuljahr! Nur in den deutschen Versionen fängt in jedem Band ein neues Schuljahr an!) mit einer freudigen Überraschung - sie wird zum "head-girl" ernannt und platzt fast vor Stolz. Ihre Mitschülerinnen freuen sich für sie, liegen ihr aber keineswegs zu Füßen. Darrells hitziges Temperament ist bekannt, und ihre Klassenkameradinnen ärgern sie nach Kräften, in der Hoffnung, sie explodieren zu sehen.
Was passiert noch?
Wie in allen Bänden der Serie (außer in Band 6) kommen 3 Neue in die Klasse:
The Honourable Clarissa Carter (Clarissa Edle von und zu Hartenstein)
Connie und Ruth Batten (Connie und Ruth Baumann)
Gwendoline hofft wieder einmal, eine großartige Freundin zu finden. Diesmal hat sie es auf die adlige Clarissa abgesehen, ein sehr schüchternes, unscheinbares Mädchen mit Herzfehler. Gwendoline belegt sie sofort mit Beschlag, sehr zum Ärger der anderen. Auch die beiden anderen Neuen, Connie und Ruth, sind seltsam. Sie sind Zwillinge, jedoch nicht identisch, und die energische Connie behandelt Ruth wie ein Baby und beherrscht sie vollkommen. Darrell hat noch mehr Sorgen - ihre kleine Schwester Felicity befreundet sich mit Alicias frecher Cousine June (in Deutschland heißt sie Irmgard - die unpassendste Namensänderung von allen, wie ich finde). Darrell kann June nicht ausstehen, auch Alicia hat sie nicht besonders ins Herz geschlossen. Haarsträubend fand ich allerdings die Regelung, daß June von ihrer Klasse bestraft wird, weil ihre ältere Cousine sich über sie ärgert. Was für Zustände ... June ist ein Biest, jedenfalls in diesem Band und noch mehr im nächsten. Sie bessert sich erst in Band 6 - sehr ungewöhnlich. Normalerweise werden Bösewichter in der Serie entweder in dem Band kuriert, in dem sie zum erstenmal auftreten - oder eben nie. June sorgt dann auch dafür, daß Darrell tatsächlich die Beherrschung verliert und - Schande! - als Klassensprecherin zurücktreten muß. Sally übernimmt die Aufgabe - ihr letzter positiver Auftritt in der Reihe.
Die Geschichte mit Gwendolines schwachem Herzen ist einfach nur albern. Gwendoline weiß, daß sie die Prüfung nicht bestehen wird, und will sich davor drücken. Also behauptet sie beim Elternbesuchstag, sie habe ein schwaches Herz. Ihre Mutter nimmt sie sofort mit nach Hause, auch ihr Vater glaubt die Geschichte. Mag sein, daß Gwendolines Mutter naiv ist und ihrer Tochter jedes Wort glaubt (aber warum glaubt sie Gwendolines Märchen von ihren großartigen sportlichen Leistungen? Sie kennt doch die Zeugnisse ihrer Tochter und müßte wissen, daß das Mädchen eine sportliche Niete ist!). Aber müßte sie nicht erst einmal mit der Hausmutter sprechen? Mit der Sportlehrerin? Das Mädchen erst einmal auf die Krankenstation bringen? Warum wird die Schulleiterin nicht informiert? Abgesehen davon ist das Theater, das Gwendoline wochenlang aufführt, mindestens ebenso anstrengend, wie für die Prüfung zu büffeln. Heute würde man sich die Frage stellen, warum ein Mädchen solchen Aufwand betreibt, um die ach so großartige Schule verlassen zu dürfen - und Gwendolines Aktion als Hilferuf einstufen. Natürlich fliegt der Schwindel auf, und Gwendoline muß die Prüfung mitmachen, ohne dafür gelernt zu haben. In der deutschen Übersetzung hört es sich an, als könne sie mit viel Glück bestehen: "Evelyn mußte viel Glück haben, wenn sie durchkommen wollte." Im Original steht: "Gwendoline would be lucky if she got quarter-marks" - das soll wohl heißen: ein Viertel der zu erreichenden Punkte, also kläglich gescheitert.
Aber warum schreibt auch die eigentlich gute Schülerin Ruth plötzlich schlechte Arbeiten? Und auch Alicia, die bisher immer zu den Besten gehörte? Bei Ruth ist es ein schlimmer Fall von Hörigkeit - auf Druck von Connie, die weiß, daß sie nicht bestehen wird, schreibt sie absichtlich schlechte Arbeiten, um durchzufallen und ebenso wie ihre Schwester nicht in die nächste Klasse aufzusteigen. Eine ganz üble Geschichte, die dadurch gelöst wird, daß Ruths Leistungen enttäuschend, aber doch noch ausreichend sind und sie doch versetzt wird. Bei Alicia ist es die in Blytons Werken übliche Lektion für Mädchen, die die Nase zu hoch tragen. Die schlaue Alicia, die immer auf weniger pfiffige Schülerinnen herabgesehen hat, wird krank und ist dadurch eingeschränkt. Sie erfährt am eigenen Leib, wie es Leuten geht, denen das Lernen schwerfällt. Nach der harten Erfahrung wird sie wieder gesund. Auch Mavis, die im vorigen Band ihre herrliche Stimme verloren hat, ist von ihrem Hochmut kuriert und bekommt ihre Stimme zurück.
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